Großstadt, Pfadfinden, Berge und Andenüberquerung
Chile war für mich in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderer Tour Stop. Es war das erste Land ohne Scouti, gleichzeitig der Beginn der Busreise durch Südamerika, und außerdem war ich, Sebastian, hier erstmals allein für unser Projekt unterwegs. Entsprechend war dieser Abschnitt noch einmal ganz anders, persönlicher, direkter und voller neuer Eindrücke.
Santiago de Chile empfing mich im März mit strahlendem Sonnenschein und heißen Temperaturen. Mitten in der Stadt fand ich eine Unterkunft, von der aus ich die unterschiedlichen Viertel und das Leben der chilenischen Hauptstadt erkunden konnte. Schnell wurde deutlich, wie vielfältig Santiago ist. Zwischen modernen Straßen, lebendigen Plätzen und geschäftigem Stadtleben finden sich immer wieder historische Orte, die von der langen Geschichte des Landes erzählen.
Besonders beeindruckend war der Blick vom Cerro San Cristóbal mit der bekannten Christusstatue, von wo aus sich ein weiter Ausblick über die gesamte Stadt eröffnet. Auch Plätze wie die Plaza de Armas und historische Kirchen wie die Catedral Metropolitana de Santiago oder die Iglesia de San Francisco verliehen der Stadt eine besondere Atmosphäre und machten sichtbar, wie tief Geschichte und Gegenwart hier miteinander verbunden sind.
Pfadfinden.
Ein besonderer Höhepunkt meines Aufenthalts war die Begegnung mit der Pfadfinderorganisation in Chile. Vor Ort hatte ich die Möglichkeit, die Arbeit der Organisation kennenzulernen und am Wochenende einen Stamm bei seinen Gruppenstunden zu begleiten. Schon der gemeinsame Beginn war sehr eindrucksvoll. Alle rund 60 Mitglieder versammelten sich in einem großen Kreis, es gab eine gemeinsame Eröffnung, und die einzelnen Altersgruppen stellten jeweils ihren eigenen Begrüßungsruf vor. Anschließend wurden Brot und Fruchtsaft miteinander geteilt, ein einfacher, aber sehr verbindender Moment.
Danach teilte sich die Gruppe in die verschiedenen Altersstufen auf. Da das Pfadfinderjahr in Chile (im März starten die Gruppenstunden) gerade erst begonnen hatte, wurde viel geplant, besprochen und vorbereitet, bevor anschließend gemeinsam gespielt wurde. Zum Abschluss kamen wieder alle zusammen, um sich gemeinsam zu verabschieden. Die Stimmung war offen, herzlich und voller Gemeinschaft. Für mich war es eine wunderbare Gelegenheit, nicht nur einen Einblick in das chilenische Pfadfinden zu bekommen, sondern auch weitere Interviews für unser Projekt zu führen.
Wie bei jedem unserer Stopps durften wir auch hier ein Rezept, eine Spielidee und eine besondere Pfadfinde*innenraktion aus Chile mitnehmen, als Inspiration für Gruppenstunden und interkulturellen Austausch.
Spiel Chile - Ringsturm
Herkunftsland: Chile
Kurzbeschreibung:
Zwei Mannschaften kämpfen um einen Ring in der Spielfeldmitte, versuchen ihn in die gegnerische Spielfeldhälfte zu tragen und ihn dort auf einen Stab zu werfen, der von einem Mitspieler gehalten wird. Gelingt es, den Ring auf den Stab zu fädeln, bekommt die Mannschaft einen Punkt.
Spieleranzahl: 8 – 24
Dauer:
20 – 30 Minuten
Spielanleitung:
- Markiere ein rechteckiges Spielfeld mit einer klaren Mittellinie und zwei Spielfeldhälften.
- An jedem hinteren Spielfeldende (bei Team A und Team B) steht je ein „Zielspieler“ mit einem Stab gut sichtbar einige Meter hinter der Grundlinie.
- Alle übrigen Spieler stellen sich in der Nähe der Mittellinie auf, der Ring liegt genau in der Mitte.
- Auf ein Startsignal („Los!“) versuchen beide Teams, den Ring zu erobern. Es ist nur leichter Körperkontakt erlaubt (z.B. Blocken mit dem Körper, Ring aus der Hand tippen), kein Schubsen, Reißen, Festhalten von Kleidung.
- Das Team, das den Ring hat, versucht, ihn in die gegnerische Spielfeldhälfte zu bringen und von dort aus dem eigenen Zielspieler den Ring so zuzuwerfen, dass er über den Stab rutscht und darauf hängen bleibt. Je nach Altersklasse kann die Anzahl der Schritte die man machen darf beschränkt werden.
- Die gegnerische Mannschaft darf den Ringträger blocken, den Ring aus der Hand schlagen oder Pässe abfangen, jedoch weiterhin nur mit vereinbartem, leichtem Körperkontakt.
- Gelingt ein Treffer (Ring bleibt auf dem Stab hängen), erhält die Mannschaft einen Punkt, alle kehren zur Mitte zurück und die nächste Runde startet.
- Ein Ring, der daneben fliegt oder nur kurz den Stab berührt, zählt nicht; in diesem Fall geht das Spiel sofort weiter, bis jemand wieder klare Kontrolle über den Ring hat.
- Nach einer vorher vereinbarten Zeit (z.B. 15 Minuten) oder Punktzahl (z.B. 5 Punkte) ist das Spiel beendet. Team mit den meisten Punkten gewinnt.
Spielmaterialien:
- 1 stabiler Ring (z.B. Wurfring, dicker Seilring, alter Fahrradschlauch als Ring geknotet).
- 2 Stäbe (z.B. Besenstiele, Rundhölzer), etwa 1,5–2 m lang.
- Markierungsmaterial für das Spielfeld (Hütchen, Halstücher, Stöcke, Kreide o.Ä.).
- Optional: Pfeife für die Spielleitung und Leibchen/Halstücher zur Teamkennzeichnung.
Altersgruppe:
Alle
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Pfadfinder*Innen Chile
Rezept Chile - Eintopf
Herkunftsland: Chile
Kurzbeschreibung:
Kräftiger Eintopf aus Bohnen, Mais, Tomaten und Hackfleisch (oder vegetarisch), gewürzt mit Chili, Kreuzkümmel und Paprika. Einfach im großen Topf oder Dutch Oven über dem Feuer zubereitet, inspiriert von chilenischen Aromen.
Zubereitungszeit: 20 Minuten Vorbereitung 35 Minuten Kochen
Zutaten für vier Personen:
- 300–400 g Rinderhackfleisch (oder Sojahack / Linsen für vegetarische Variante)
- 1 große Zwiebel
- 2 Knoblauchzehen
- 1 rote Paprikaschote
- 1 Dose gehackte Tomaten (ca. 400 g)
- 1 Dose Mais (ca. 285 g Abtropfgewicht)
- 1 Dose Kidneybohnen (ca. 240 g Abtropfgewicht)
- 1 kleine Dose weiße Bohnen (optional)
- 1–2 EL Tomatenmark
- 1–2 TL Chiliflocken oder Chilipulver (Menge je nach Schärfe)
- 1 TL gemahlener Kreuzkümmel
- 1 TL Paprikapulver (edelsüß oder geräuchert)
- Salz und Pfeffer
- Ca. 300–400 ml Wasser oder Gemüsebrühe
- 2–3 EL Öl (zum Anbraten)
Optional „Chile‑Touch“:
- Frischer Koriander oder Petersilie
- 1 kleine frische Chili, fein gehackt
- 1 TL Oregano (in Chile sehr verbreitet)
- Limettenspalten zum Servieren
Beilage: Brot, Fladenbrot oder Tortillas
Zubereitungsschritte:
- Zwiebel, Knoblauch und Paprika klein schneiden. Bohnen und Mais in ein Sieb geben und abspülen.
- Im Topf/ Dutch Oven das Öl erhitzen, Zwiebel glasig anbraten, dann Knoblauch kurz mitdünsten.
- Hackfleisch dazugeben und krümelig anbraten, bis es gut durch ist. (Bei vegetarischer Variante Sojahack oder vorgekochte Linsen später zugeben.)
- Paprikawürfel hinzufügen und 3–5 Minuten mitbraten.
- Tomatenmark einrühren, kurz mitrösten, dann mit den gehackten Tomaten und Wasser oder Brühe ablöschen.
- Chiliflocken/-pulver, Kreuzkümmel, Paprikapulver, Salz, Pfeffer und optional Oregano und frische Chili zugeben, gut umrühren.
- Bohnen und Mais einrühren, alles aufkochen lassen und dann bei mittlerer Hitze ca. 20–30 Minuten köcheln lassen, gelegentlich umrühren (am Feuer darauf achten, dass es nicht anbrennt).
- Konsistenz prüfen: Wenn es zu dick ist, etwas Wasser/Brühe zugeben, wenn zu dünn, ohne Deckel weiter köcheln lassen.
- Abschmecken, mit frischem Koriander oder Petersilie bestreuen und mit Brot oder Tortillas servieren.
Schwierigkeitsgrad: Einfach
Tipps und Variationen:
- Vegetarisch/Vegan: Hackfleisch durch Sojahack, Linsen oder mehr Bohnen ersetzen.
- Milder für Kinder: Weniger oder kein scharfes Chilipulver verwenden, Schärfe über Chiliöl oder Chiliflocken am Tisch nachreichen.
- „Mehr Chile“: Geräuchertes Paprikapulver und frische Chili verwenden, mit Limettensaft und frischem Koriander toppen, dazu Tortillas statt Brot.
- Lagerpraxis: Alles in großen Dosen planen, Zutaten vorher daheim in Boxen vorkonfektionieren (z.B. „Gemüse“, „Bohnen & Mais“, „Gewürze“), damit es im Lager schnell geht.
- Reste nutzen: Übrig gebliebenes Chili am nächsten Tag mit Reis, als Füllung für Wraps oder mit Eiern als Frühstückspfanne verwenden.
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Pfadfinder*Innen Chile
Aktion Chile - Mahlzeit & Pfadfinderzusammenhalt
Herkunftsland: Chile
Kurzbeschreibung:
Pfadfinderinnen und Pfadfinder organisieren in ärmeren Stadtteilen Santiagos Projekte, bei denen benachteiligte Kinder eine warme Mahlzeit erhalten und parallel ein Pfadfinderprogramm mit Spielen, Handwerken und Wertevermittlung nehmen, eine Kombination aus Versorgung und Jugendarbeit.
Ziel: Mahlzeit für Kinder in Armutsgebieten sichern sowie Förderung und Integration.
Dauer: Einzelsession: 2–3 Stunden (1 Stunde Programm, 30–45 Min. Mahlzeit, Rest Vorbereitung/Aufräumen). Projektlaufzeit: z.B. 2 mal monatlich über 3–6 Monate, um Kontinuität zu schaffen und Beziehungen aufzubauen.
Altersempfehlung:
ab 11 Jahren
Benötigte Materialien:
- Für Mahlzeiten: Topf, Gaskocher oder Feuerstelle, einfache Zutaten (Reis, Bohnen, Gemüse, Eier – lagerfest und nährstoffreich), Teller, Besteck, Hygieneartikel (Seife, Desinfektionsmittel).
- Für Pfadfinderprogramm: Bälle, Seile, Papier/Malstifte für Handwerk, Naturmaterialien, Halstücher/Leibchen, ggf. kleine Preise (Bastelsets, Spielzeug).
- Organisation: Kooperationsvertrag mit lokaler Einrichtung (z.B. Kirche, Gemeindezentrum), Transportmittel, Erste-Hilfe-Set, Dokumentationsmaterial
Schritt-für-Schritt-Anleitung:
- Partner finden: Lokales Sozialzentrum, Kirche oder Suppenküche in einem Bedarfsgebiet kontaktieren, Bedarf klären und Kooperation vereinbaren (z.B. Raum, Kinderzahl).
- Programm planen: Das Essen (einfach, gesund, kindgerecht) und Pfadfinderteil (z.B. Kennenlernspiel, Naturbasteln, Team-Challenge) festlegen; Einkaufsliste erstellen.
- Vorbereitung: Zutaten besorgen, Hygiene- und Sicherheitsregeln besprechen (je nach gültigen Gesetzen im Land und Regeln der Stadt), Rollen verteilen (Kochteam, Spielleiter, Serviceteam).
- Aktionstag:
- Ankunft, Begrüßung und kurzes Eisbrecher-Spiel mit den Kindern.
- Pfadfinderprogramm (60 Min.): Spiele, Handwerk oder Geschichten. Altersgerecht und inklusiv.
- Mahlzeit zubereiten/servieren (alle helfen mit), gemeinsam essen und ins Gespräch kommen.
- Abschluss: Kleines Ritual (z.B. Grußrunde), Aufräumen.
- Nachbereitung: Reflexion in der Gruppe (Was lief gut? Was lernen wir?), Termine für Folgetermine festlegen.
- Evaluation: Nach 4–6 Terminen mit Partner auswerten und ggf. ausbauen (z.B. Eltern einladen).
Tipps / Hilfestellungen:
Kindgerechte, sichere und nachhaltige Umsetzung durch bunte Mahlzeiten, strikte Hygiene und lokale Spenden.
Link / Download:
https://www.scout.org/news/impakta-empowering-scouts-national-impact-chile
Beigetragen von:
Pfadfinder*Innen Chile
Am darauffolgenden Tag zog es mich noch einmal hinaus in die Natur. Ich unternahm einen Ausflug in die Berge und wurde dort mit einer fantastischen Aussicht belohnt. Besonders eindrucksvoll war ein glasklarer See, in dem sich die umliegende Landschaft spiegelte und der eine fast unwirkliche Kulisse bot, wie man beim Videovorschaubild sehen kann. Die Natur in Chile wirkte auf mich atemberaubend und gleichzeitig vollkommen anders als die Landschaften, die wir zuvor in Asien erlebt hatten. Gerade dieser Kontrast machte den Beginn in Südamerika so spannend und eindrücklich.
Eindrücke.
Chile war für mich ein schöner erster Einblick in Südamerika, geprägt von tollen Begegnungen, neuen Perspektiven und einem intensiven Gefühl von Aufbruch. Am letzten Tag in Santiago de Chile wartete dann schon das nächste Abenteuer. Meine erste lange Busfahrt stand bevor und mit ihr die Überquerung der Anden in Richtung Argentinien. Dafür entschied ich mich ganz bewusst für einen Platz in der oberen Etage ganz vorne, eine klare Empfehlung für alle, die diese Strecke einmal selbst erleben möchten. Wenn sich der Bus die schmalen Serpentinenstraßen hinaufarbeitet und sich nach und nach die Bergwelt öffnet, wird die Fahrt selbst schon zu einem Erlebnis. Nach der Überquerung der Anden steht man unmittelbar an der Grenze und in der Ferne sieht man das Aconcagua-Gebirge.
Chile war für mich warm, weit und voller neuer Eindrücke. Es war ein Land des Beobachtens und des ersten Eintauchens in eine neue Welt. Ich nehme wertvolle Begegnungen, eindrucksvolle Naturmomente und einen starken Auftakt für meine Zeit in Südamerika mit.